Warum Social Entrepreneurship wichtiger denn je ist

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Die Weltwirtschaft kann wohl kaum als ein fairer Ort verstanden werden. Besonders unfair ist dieser Ort jedoch für Frauen, deren wirtschaftliche Aktivitäten sich aufgrund tief verwurzelter Geschlechter- und Sozialnormen größtenteils auf die Peripherie beschränken. Entrepreneurship kann ein Weg sein faire Bedingungen für Frauen und andere marginalisierte Gruppen innerhalb der Ökonomie zu schaffen. Insbesondere Social Entrepreneurship ermöglicht Sichtbarkeit, Teilhabe an der Weltwirtschaft und schlicht Selbstverwirklichung.


Während weltweit 75 Prozent der Männer erwerbstätig sind, liegt dieser Anteil bei den Frauen bei lediglich 50 Prozent. Erwerbstätige Frauen verdienen im Durchschnitt 24 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen und sind in allen Ländern, für die Daten vorliegen, auf der oberen und mittleren Führungsebene unterrepräsentiert. Darüber hinaus leisten sie zwei- bis zehnmal so viel unbezahlte Pflegearbeit. Der Wert, den diese Arbeit für die Weltwirtschaft hat, wird auf 10 Milliarden US-Dollar geschätzt, verkürzt jedoch die Zeit, welche Frauen zur Teilhabe an selbiger übrigbleibt.

Abgesehen von jenen ökonomischen Indikatoren findet die globale Geschlechterungleichheit auch darin Ausdruck, dass Frauen nur rund 24 Prozent der weltweiten Parlamentssitze innehaben. Es ist daher weniger überraschend, dass in 49 von 195 Ländern Gesetze zum Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt fehlen – eine Tatsache, welche allzu oft zu Verstößen gegen ihr Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit führt.

Die Bereitschaft der Weltgemeinschaft sich jener Probleme anzunehmen ist in den letzten Jahrzehnten gestiegen. So beschäftigt sich etwa Ziel 5 der Agenda 2030 explizit mit der Gleichstellung der Geschlechter und der Stärkung der Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen.

Dennoch konnten bei der Umsetzung dieses Vorhabens nur langsam Fortschritte erzielt werden – Fortschritte, welche nun durch die Folgen von Covid-19 in Gefahr gebracht werden. Da ein Großteil der Frauen in stärker betroffenen Wirtschaftssektoren arbeiten, werden viele von ihnen in der Krise in Armut und Arbeitslosigkeit gedrängt. Darüber hinaus haben die von den Regierungen angeordneten Ausgangssperren für Frauen eine weitere Zunahme an unbezahlter Pflegearbeit und häuslicher Gewalt zur Folge.

Obwohl einen diese Entwicklungen hinsichtlich der Erreichung von Geschlechtergleichstellungszielen in naher Zukunft nur wenig optimistisch stimmen dürften, kann die Krise jedoch auch als eine Chance verstanden werden, da sie eben jene Ungerechtigkeiten stärker zu Tage treten lässt und uns dazu zwingt den Status quo unseres derzeitigen Wirtschaftssystems fundamental in Frage zu stellen.

Social Entrepreneurship tut genau dies, indem es den unternehmerischen Fokus auf die Schaffung sozial nachhaltiger Effekte richtet und somit das Gemeinwohl vor den Profit stellt. Die Idee des Social Entrepreneurship kam erstmals in den späten 1980er Jahren als Alternative zum klassischen Unternehmertum auf und hat in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Popularität gewonnen. Mit dem Entstehen zahlreicher Initiativen und Organisationen, wie ASHOKA oder der Schwab Foundation, hat sich der Sozialunternehmenssektor in dieser Zeit als bedeutender Partner bei der Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen und als Förderer von sozial benachteiligten Gruppen etabliert.

Dahingehend kann Social Entrepreneurship eine wichtige, aber bisher unzureichend genutzte, Ressource darstellen, um Frauenrechte weltweit zu stärken. Ein Bericht des British Council aus dem Jahr 2017 hebt die verschiedenen Möglichkeiten hervor, durch welche Sozialunternehmen zum Empowerment von Frauen und Mädchen beitragen kann.

Zu den wichtigsten gehören dabei die folgenden:

  • Der Sozialunternehmenssektor bietet weitaus mehr Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen als die Gesamtwirtschaft.
  • Im Sozialunternehmenssektor sind die Chancen für Frauen, eine Führungsrolle einzunehmen, größer als im gewinnorientierten Sektor.
  • Social Entrepreneurship kann dabei helfen, erschwingliche Produkte und Dienstleistungen für Frauen bereitzustellen.
  • Da Frauen häufig auch für die Sozialunternehmen arbeiten, von denen sie profitieren, kann dies dazu beitragen, ihre Selbstbestimmung zu fördern und so vorherrschende Geschlechterrollen aufzubrechen.
  • Da die Mehrheit der Frauenrechtsorganisationen unterfinanziert ist, könnte Social Entrepreneurship eine von den Prioritäten öffentlicher und privater Geldgeber unabhängige Finanzierungsquelle darstellen.

Damit diese Potenziale auch künftig nutzbar gemacht werden können, bedarf es nun kollektiver Anstrengungen, um Sozialunternehmen in der Krisenzeit zu stärken und die Gründung weiterer solcher Unternehmen zu fördern. Wenn wir diese Chance ergreifen, kann Social Entrepreneurship einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Weltwirtschaft zukünftig zu einem faireren Ort für Frauen zu gestalten.


Vor diesem Hintergrund wird die Stiftung Entrepreneurship in den kommenden Wochen einen Einblick in die Arbeit von Sozialunternehmen mit Fokus auf Female Empowerment liefern. Los geht es nächste Woche mit einem inspirierenden Interview mit Chetna Sinha, Ko-Vorsitzende des World Economic Forums von 2018 und Gründerin der Mann Deshi Bank – Indiens erste ländliche Finanzinstitution, welche von Frauen für Frauen geführt wird.

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