Auszug aus dem "Handbuch Entrepreneurship" - Hrsg. Günter Faltin:

Ich danke dem Verlag Springer Gabler, mich beauftragt zu haben, ein Handbuch für Entrepreneurship herauszugeben: Ein Werk vorzulegen, das die praktische Relevanz unseres Wissens über Gründungen in den Vordergrund stellt und das Thema Entrepreneurship nicht allein auf die Sichtweise der Betriebswirtschaftslehre beschränkt - mit der Chance, das Thema von einer Seite zu betrachten, die die emanzipatorische Dimension von Entrepreneurship beleuchtet.

Viele Gründungen scheitern. Die Schätzungen gehen bis zu 80 Prozent.

Wir brauchen eine Kultur des Scheiterns. Ganz zweifellos. Wir bräuchten eine solche Kultur. Aber wir haben sie nicht. Jedenfalls nicht in Kontinentaleuropa. Es hilft nicht weiter, auf die amerikanische Kultur des Scheiterns zu verweisen. Sie hat andere Voraussetzungen, kommt aus einer anderen Tradition: Von Immigranten, dem Wertesystem des kolonialen Europas entflohen, von Außenseitern, die zu Pionieren wurden (oder wenigstens zu solchen umgedeutet*). Die Verhältnisse bei uns liegen anders. Ein Konkurs hinterlässt Wunden und wird selten zum Start für einen gelungenen Neuanfang. Wer in den Insolvenzstrudel gerät, geht mit Blessuren und Narben daraus hervor oder unternimmt gar, in dem verständlichen Versuch, sein Unternehmen zu retten, Dinge die ihn – bewusst oder aus Unwissenheit – straffällig werden lassen. Das sind alles andere als gute Voraussetzungen für einen Lernprozess und die Kraft, die finanzielle und emotionale Katastrophe zu überstehen. Deshalb die Betonung des Proof of Concept – also die Annahmen, die im unternehmerischen Konzept stecken, an der Praxis zu testen – und zwar bevor man gründet.

Was die Auswahl der Autoren und Beiträge betrifft, so wurden die folgenden Kriterien angelegt:

• Entrepreneurship als mehr zu sehen als nur BWL für Gründer.
Dabei sei dahingestellt, ob die Instrumente der BWL, die ja für Großunternehmen und deren Komplexität entwickelt wurden, für die Situation von Gründungen, also kleinen Organisationen, besonders tauglich sind. Für komplexe Zusammenhänge ist BWL von unschätzbarem Wert. Doch was leistet sie in der Situation der Gründung, also noch oft einfachen und überschaubaren Abläufen? Und was tun für Gründer, die nicht betriebswirtschaftlich vorgebildet sind? Kann Gründen mit Hilfe professioneller Komponenten den Einstieg erleichtern?

• Die emanzipatorische Dimension von Entrepreneurship zu berücksichtigen und den Versuch zu machen, den Zugang zu Entrepreneurship für mehr Menschen als bisher zu öffnen.

Entrepreneurship als der Versuch, etwas Neues in die Welt zu bringen ist so vielseitig und vielschichtig wie das Leben selbst. Entrepreneurship trifft man daher auf vielen Feldern, was auch die Themen dieses Handbuchs in den Beiträgen zu Social, Ecological und Cultural Entrepreneurship widerspiegeln sollen.

Mein Dank gilt allen Autoren für ihre Mitarbeit, ihre Geduld und Ausdauer bei der Erstellung dieses Handbuchs.

Günter Faltin
Berlin, im Juli 2015

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Hier gelangen Sie direkt zum "Handbuch Entrepreneurship" - erschienen beim Springer Gabler Verlag.

* de Soto 2000, The mystery of capital, Bantam Press, London