Auszug aus dem "Handbuch Entrepreneurship" - Hrsg. Günter Faltin:

Methoden und Ratgeber, wie man ein Unternehmen gründet, gibt es zuhauf. Sie haben viel mit formalen Abläufen zu tun, mit Kernkompetenzen und Kapital, aber wenig oder mit dem Prozess der Suche nach einem tragfähigen Konzept. Sie versuchen, dem amorphen, flüssigen, oft auch chaotischen Prozess, der in Kopf und Bauch abläuft, eine feste Struktur zu geben.

Und genau hier liegt das Problem. Denn Entrepreneurship lässt sich nicht in ein Korsett pressen. Es ist kein industrieller Produktionsprozess, planbar, optimierbar, lehrbar. Entrepreneurship lässt sich nicht leicht erforschen. Es ist eines der Phänomene, ähnlich der Kunst, die es zumindest sehr schwer machen, sie mit herkömmlichen Methoden einzufangen.

Wie alle komplexen sozialwissenschaftlichen Phänomene entzieht sich Entrepreneurship nicht nur der einzelnen fachdisziplinaren Betrachtung, es ist auch in einer Weise facettenreich und unstrukturiert, welche die ohnehin schwierige interdisziplinare Analyse zusätzlich verkompliziert. Was also tun? Wenn man die Wahl hat zwischen academic rigour and respectability auf der einen Seite und einer unvoreingenommenen Betrachtung des Phänomens Entrepreneurship auf der anderen Seite, sollte man sich gerade um der wissenschaftlichen Respektabilität willen für eine vorsichtige, der Komplexität des Phänomens gerecht werdende Vorgehensweise entscheiden. Statt mit mittlerer Gewalt das Phänomen Entrepreneurship den Theorieformaten anzupassen, empfiehlt es sich eher, zunächst Material zu sammeln, dichte Beschreibungen anzufertigen, bevor man zu voreiligen Schlüssen gelangt.

So wie Schriftsteller häufig skeptisch der Literaturwissenschaft gegenüberstehen, ist es mit Firmengründern auch. Mit dem Unterschied, dass diese die Entrepreneurship-Forschung, die – sieht man einmal von Schumpeter ab – noch eine recht junge Disziplin ist, im Großen und Ganzen ignoriert haben.

Wahrscheinlich ist das Problem grundsätzlicher. Wir alle gehen wie selbstverständlich davon aus, dass wissenschaftliche Theorien als Anleitung für die praktische Anwendung dienen. Funktioniert das? Theorie und Praxis lassen sich nicht verbinden, halt Ralf Dahrendorf dagegen. In einem überzeugenden, aber viel zu wenig beachteten Beitrag zur Problematik des Transfers von Theorie in Praxis legt Dahrendorf dar, dass die beiden Teile schwer zusammenkommen. Die Theorie dürfe nicht hetzen, und die Praxis könne nicht warten, so das Hauptargument. Die Klärung von Vorfragen werfe immerwährend neue Fragen auf*.

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Hier gelangen Sie direkt zum "Handbuch Entrepreneurship" - erschienen beim Springer Gabler Verlag.

 

* Dahrendorf 1988