Status Quo oder Potenzialentfaltung?

Auszug aus dem „Handbuch Entrepreneurship“ – Hrsg. Günter Faltin:

Was ist unser erkenntnisleitendes Interesse?
Wollen wir die vorfindbare Realität, also den Status quo, erforschen und beschreiben?
Oder ist es unser Interesse, über den Status quo hinaus das Potenzial auszuloten und die Differenz zwischen dem Vorfindbaren und dem Möglichen zu beschreiben? Also nach den Potenzialen zu suchen, wie wir mehr Menschen den Zugang zu Entrepreneurship erleichtern können?

Natürlich lässt sich der Status quo leichter messen. Geht also leicht und zuweilen unhinterfragt in Forschungsergebnisse ein. Gerade deswegen ist es wichtig, von den Potenzialen her zu denken, zu forschen, aber auch zu handeln.

Für Entrepreneurship trifft diese Überlegung ganz besonders zu. Nehmen wir an, es trifft zu, dass in der Regel die Verfügung über Kapital und die Qualität des Managements die tragenden Säulen für den Erfolg von Unternehmensgründungen darstellen. Sollen wir es bei dieser Feststellung belassen? Dann bliebe den meisten Menschen der Zugang verschlossen. Oder wir versuchen, neue Wege zu finden, wie wir das Potenzial für Entrepreneurship aufspüren und erweitern können.

Wiederum ist die Analogie zum Bildungssystem aufschlussreich. Misst man Schulerfolg, kommt heraus, dass Kinder aus Akademiker-Haushalten deutlich besser abschneiden, als Kinder der unteren Bildungsschichten. Hätte man sich mit dieser Feststellung abgefunden, würde man den Status Quo festschreiben. Es ging also darum, kompensatorische Maßnahmen oder überhaupt neue Wege zu finden, den Zugang zu höherer Bildung und Schulerfolg auch Kindern von Nicht-Akademikern zu ermöglichen.

Entrepreneurship nicht nur für schnelle Jungs, sondern offener für viel mehr Menschen. Zugänglich und erfolgversprechend auch für die Vorsichtigen, abwägend Handelnden, sorgfältig Vorbereiteten. Nicht nur für die, die nach dem großen Wagniskapital rufen, sondern auch für diejenigen, die mit ihrem Kopf mehr Potenzial freisetzen als mit Kapital. Von einem zeitgenössischen, hoch erfolgreichen Entrepreneur, Richard Branson, stammt der Satz: „Wir hatten kein Geld, daher mussten wir kreativ sein.“ In früheren Zeiten war Kapital zweifellos der Engpass. Heute scheinen die kapitalintensiven Bereiche, wie etwa Pharmaentwicklungen, eher die Ausnahme als die Regel. Für Kohlegewinnung, Stahlwerke oder Textilfabriken brauchte man riesige Kapitalmengen – heute, etwa für Dienstleistungen, sind die Kapitalerfordernisse deutlich geringer.

Mit welchen Mitteln können wir als Normalmenschen aufwarten? Welche Vorteile haben wir gegenüber den Großen und Mächtigen im Markt? Wo liegen die Chancen des David gegen Goliath?

Laden Sie sich hier das PDF vom zehnten Auszug des „Handbuch Entrepreneurship“ runter.

Hier gelangen Sie direkt zum „Handbuch Entrepreneurship“ – erschienen beim Springer Gabler Verlag.

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