Erfindung vs. Innovation

Auszug aus dem „Handbuch Entrepreneurship“ – Hrsg. Günter Faltin:

Sie klingen ähnlich, im Englischen als inventions und innovations noch mehr als im Deutschen, und scheinen eng miteinander zu tun zu haben. Viele Menschen glauben, dass am Beginn einer unternehmerischen Erfolgsgeschichte eine Erfindung stehen muss. „Der Rest“ sei dann nur noch eine Frage der „Umsetzung“. Diese Betrachtungsweise scheint naheliegend, unterschätzt aber die innewohnenden Risiken. Die Zahl der Erfinder, die es nie zur praktischen Verwertung brachten, weil immer noch irgendein Detail übersehen worden war oder deren Erfindung von ganz anderen zum Erfolg gebracht wurde, ist Legion:

Schumpeter hat daraus eine zentrale Unterscheidung getroffen. Erfindung und Innovation seien zwei grundverschiedene Prozesse. Wenn wir von „Unternehmensgründungen“ sprechen, so Schumpeter, spielten die Innovatoren die Hauptrolle, nicht die Erfinder. Gerade die großen bahnbrechenden Erfindungen seien oft für lange Zeit nicht marktreif, noch mit Fehlern behaftet, scheiterten daher leicht im ersten Anlauf, würden in ihrer Bedeutung nicht erkannt oder vom Publikum nicht akzeptiert. Erfolgreiche Entrepreneurs seien daher in aller Regel nicht Erfinder, sondern Innovatoren. Sie griffen auf bereits Existierendes zurück.

Auch der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Israel M. Kirzner hat diese Beobachtung in den Vordergrund gerückt: „Vorhandenes entdecken“, etwa die Möglichkeiten von Arbitrage zu nutzen, sei die Kerneigenschaft des Entrepreneurs. Der Begriff ist nur scheinbar paradox. Etwas ist bereits vorhanden, muss also nicht neu erfunden werden, kann aber dennoch in seiner Bedeutung und seinen Potenzialen neu erkannt und entdeckt werden. Als Paradebeispiel wird hierfür das Telefax angeführt. Es gab die Erfindung seit langem, und sie wurde von ganz anderen Firmen als den Erfindern und denen, die sie zunächst zu vermarkten versuchten, erfolgreich eingeführt.

Gassmann und Schweitzer weisen auf Beispiele hin, die die Zweiteilung Schumpeters in der Praxis widerlegen würden. Auch im akademischen wüchsen die Teilbereiche Entrepreneurship und Technologie- und Innovationsmanagement zusammen*.

Laden Sie sich hier das PDF vom achten Auszug des „Handbuch Entrepreneurship“ runter.

Hier gelangen Sie direkt zum „Handbuch Entrepreneurship“ – erschienen beim Springer Gabler Verlag.

 

* vgl. Gassmann und Schweitzer 2015 ((im Original S. 3))

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