Entrepreneurship vs. Unternehmertum

Auszug aus dem „Handbuch Entrepreneurship“ – Hrsg. Günter Faltin:

Begriffe sind Instrumente, sind Werkzeuge. Sie helfen, zu begreifen, machen es einfacher, ein Problem in den Griff zu bekommen.

Der Begriff Entrepreneurship betont den Aspekt der Innovation, betont Alleinstellungsmerkmale im Gegensatz etwa zu Existenzgründung oder Selbständigkeit. Letztere Begriffe, die unternehmerische Tätigkeiten in einem viel breiteren Sinne umfassen, also auch traditionelle Formen wie Betrieb eines Geschäftslokals oder eines Handwerksbetriebs einbeziehen*, umschreiben in der Regel imitative Gründungen.

Entrepreneurship hat in dem französischen Wort „entreprendre“ seinen Ursprung, also „etwas unternehmen“ oder „in die eigenen Hände nehmen“. Für den englischen Begriff gibt es im Deutschen keine wirklich zutreffende Übersetzung**.

So sperrig das Wort auch ist, wir kommen an diesem Begriff nicht vorbei. (Es sei denn, wir finden ein neues, treffendes und weniger umständliches Wort.) Das liegt daran, dass in dem Begriff Unternehmertum“, wenn man genau hinsieht, drei sehr unterschiedliche Funktionen stecken:

1. die Eigentumsfunktion
(wem das Unternehmen gehört),
2. die Managementfunktion
(wie das Unternehmen geschäftlich geleitet wird),
3. die innovative Funktion
(mit welchem Konzept das Unternehmen gegründet und weiterentwickelt wird).

Es lohnt sich, hier genauer zu differenzieren, weil diese Aufgaben höchst verschieden sind, und in der modernen Welt arbeitsteilig angegangen werden können. Wir verwirren also mehr als wir klären, wenn wir mit dem Begriff „Unternehmertum“ operieren. Bleiben wir also bei Entrepreneurship und lenken unseren Blick auf die kreativen Teile, die mit einer innovativen Unternehmensgründung einhergehen.

Berühmtheit erlangte die Thematik durch Joseph Schumpeter, der im Unternehmer vor allem einen Innovator sah, der mit neuen Konzepten in den Markt eindringt und damit die bereits vorhandenen Unternehmen angreift***. Das Bessere ist der Feind des Bestehenden. Folgerichtig sprach Schumpeter von „schöpferischer Zerstörung“.

Schumpeter teilte die „Unternehmer“ in zwei Lager: die „Wirte“ und die „innovativen Unternehmer“. Im ersten Lager seien die etablierten Firmen, die ihren Markt verteidigten, während die Antriebskräfte einer Volkswirtschaft aus dem zweiten Lager kämen, den Angreifern, die mit neuen Produkten oder Verfahren in den Markt drängten.
Will man diese Konstellation und die ihr innewohnende Dynamik zutreffend beschreiben, ist der Begriff „Unternehmertum“ untauglich, weil er die unterschiedlichen Interessenlagen nicht ausreichend differenziert. Darüber hinaus werden die Innovationszyklen immer kürzer; disruptive Innovationen treten häufiger auf; heute ist es keine Seltenheit mehr, dass es Start-ups gelingt, innerhalb eines Jahrzehnts zum Marktführer in ihrem jeweiligen Feld aufzusteigen und dies im weltweiten Maßstab. Auch aus diesen Gründen sollte sich im deutschsprachigen Raum der Begriff „Entrepreneurship“ durchsetzen – international ist er ohnehin längst gebräuchlich.

Laden Sie sich hier das PDF vom siebten Auszug des „Handbuch Entrepreneurship“ runter.

Hier gelangen Sie direkt zum „Handbuch Entrepreneurship“ – erschienen beim Springer Gabler Verlag.

 

* vgl. Fueglistaller u.a., 2012, S. 22 f.
** Auch Gablers neues Wirtschaftslexikon räumt ein, dass es für den international längst gängigen Begriff des Entrepreneurship im Deutschen kein Äquivalent gibt. Kollmann, Tobias (Hrsg.): Gabler Kompakt-Lexikon Unternehmensgründung 2005. Gabler, Wiesbaden, vgl. auch Fueglistaller a.a.O., S. 22
*** a.a.O., S. 25

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