„Ein leerer Sack kann nicht aufrecht stehen“

Auszug aus dem „Handbuch Entrepreneurship“ – Hrsg. Günter Faltin:

Bleiben wir bei den Gedanken der Aufklärung.
Wenn viel mehr Menschen die Chancen des Entrepreneurship erkennen und wahrnehmen, sind wir auf dem besten Weg, ein Stück gesellschaftliche Utopie zu verwirklichen. „An empty sack can not stand upright“, schrieb der amerikanische Gründer, Schriftsteller und Politiker Benjamin Franklin 1740 in seinem Almanach Poor Richard. Die wirtschaftliche Emanzipation des Individuums sei ein unverbrüchlicher Teil seiner persönlichen Emanzipation. Franklin formulierte damit ein Prinzip der Aufklärung, das bis heute der Umsetzung harrt: Dass nur der ökonomisch mündige und unabhängige Mensch auch ein politisch mündiger Bürger einer Gesellschaft sein kann. Doch anders als in der Politik, wo Mitsprache und Mitwirkung heute jedem möglich sind, kann in der Ökonomie von tatsächlicher Mitwirkung und Gestaltung, also aktiver Teilnahme am Wirtschaftsgeschehen keine Rede sein. Das Ziel der Aufklärung ist in einem wesentlichen Bestandteil nicht erreicht.

Ökonomische Mündigkeit heißt: sich aktiv in den Prozess des Unternehmerischen einschalten; Potenziale erkennen und Ressourcen neu kombinieren können – und damit selbst partizipieren an der Wertschöpfung, wie sie in Unternehmen entsteht. Leider ist die Wirklichkeit anders. Eine Gesellschaft, die Bildung wie selbstverständlich auf abhängige Beschäftigung ausrichtet, verfehlt das Ziel aktiver Partizipation und Gestaltung.
Auch hier hilft eine Analogie zum Bildungssektor. Unser modernes Bildungssystem ist durchlässig gesworden. Prinzipiell ist es heute möglich, sich auch aus bildungsfernen Verhältnissen bis an die Spitze hochzuarbeiten. Es gibt keine unüberwindlichen Barrieren mehr. Und es ist gesellschaftlich erwünscht – und mit Hochachtung bewertet – wenn jemand dies auch in der Praxis schafft.

Anders im System Entrepreneurship. Schon der Zugang ist nicht gegeben. Dabei sei es dahingestellt, ob dies wirklich oder nur vermeintlich der Fall ist. Ob Kapital, Managementqualifikationen und Ellenbogen den Ausschlag geben oder ob es sich dabei nur um zwar noch weit verbreitete, heute aber überholte Vorstellungen handelt. Wir haben kein Ökosystem Entrepreneurship als offene, zu schöpferischem Handeln einladende Kultur. Noch nicht.

Das hier vorgelegte Handbuch macht den Versuch, einen kleinen Beitrag zum besseren Verständnis dessen zu liefern, was die noch vorhandenen Barrieren ausmacht und wo wir Potenziale identifizieren können für eine offenere, breitere Partizipation der Gesellschaft.

Sie finden, das sei ein bisschen viel auf einmal, viel Wunschdenken? Wir sollten doch lieber, wie beim Eiskunstlauf, nicht mit der Kür anfangen, bevor wir die Pflichtübungen hinter uns gebracht haben. Vielleicht haben Sie recht. Absolvieren wir die Pflichtübungen.

Laden Sie sich hier das PDF vom fünften Auszug des „Handbuch Entrepreneurship“ runter.

Hier gelangen Sie direkt zum „Handbuch Entrepreneurship“ – erschienen beim Springer Gabler Verlag.

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