Der unbegrenzte Rohstoff

Auszug aus dem „Handbuch Entrepreneurship“ – Hrsg. Günter Faltin:

Menschen verfügen über Kreativität und schöpferisches Potenzial. Wir können sie nutzen, so viel wir wollen. Sie sind der unbegrenzte Rohstoff. Als Entrepreneure ist es geradezu unsere Pflicht, sie zu nutzen. Let’s allow our brains to shape a better world.

Ökonomie ist die Disziplin des Bodenhaftenden. Ihr Feld ist die Realität. Sie versucht, Prozesse effektiver zu machen, Abläufe zu optimieren, sie setzt auf Berechenbares. Bewährte Konzepte sind ihr lieber als der Aufbruch ins Unbekannte. Ökonomen lieben Daten, arbeiten mit Statistiken, verwenden Mathematik und entwerfen möglichst realitätstüchtige Modelle. Was ich damit sagen will: Wir können von einer Disziplin wie der Ökonomie nicht erwarten, dass sie kühne neue Entwürfe denkt. Das ist nicht ihr Fach. Auch nicht ihr Anliegen. Umso mehr brauchen wir Fantasie. Weil das Leben nicht nur aus der ökonomischen Dimension besteht. Es sind unsere Träume, unsere Wünsche, unsere Hoffnung auf ein Besseres, was uns anspornt, was uns motiviert, was uns lebendig macht. Wir dürfen uns unsere »Flausen« nicht austreiben lassen.

Entrepreneurship hat auch eine kreative Dimension. Wenn wir neue Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt bringen, gestalten wir Lebenswirklichkeit und gehen in diesem Moment über Ökonomie hinaus. Wenn wir Kunden für uns gewinnen wollen, können wir nicht nur deren Geldbeutel im Auge haben. Wir wären schlechte Entrepreneure, wenn wir ausschließlich in der ökonomischen Dimension dächten. Wir würden die Welt ärmer machen.

Was folgt daraus als Ratschlag für Entrepreneure?

Nutzen Sie Ihren eigenen Kopf, Ihre eigene Kreativität. Es geht um Ihr Ideenkind. Lassen Sie sich von niemandem sagen, Sie seien nicht kreativ. Auch nicht von Ihnen selbst.

Wo liegen Ihre Stärken? Und gehen Sie von diesen Stärken aus. Alles andere, in dem Sie nicht so kompetent sind, versuchen Sie zu delegieren oder Lösungen zu finden, die Ihnen Dinge abnehmen, die Ihnen nicht leichtfallen und in denen Sie nicht fachkundig und urteilssicher sind. Wenn man in einer Disziplin sehr gut ist, kann man es sich leisten, in den anderen Disziplinen nicht herausragend sein zu müssen. Es ist mein Ergebnis aus über 30 Jahren Beschäftigung mit dem Thema Entrepreneurship, dass auch auf diesem Feld Analysevermögen, Kombinationsfähigkeit und planvolles, Risiko abwägendes Handeln den Ausschlag geben, selbst wenn wir in anderen Bereichen weniger gut als Mitwettbewerber ausgestattet sind.

Warum ich das alles sage: Weil ich glaube, dass für uns normale Menschen der geeignetste Weg und daher die eigentliche Aufgabenstellung darin besteht, sich von einem Einfall, einer Anfangsidee zu einem wirklich gut durchdachten und überzeugenden Konzept durchzuarbeiten. Auch bei einem Film bauen Sie ja den Ablauf nicht auf einer schwachen Geschichte auf, sondern auf einem möglichst elaborierten Konzept. Nur dann sind Kameramann und das gesamte Team, das zur Herstellung eines Films notwendig ist, wirklich gut eingesetzt.

Vor 20 Jahren war es noch eine krasse Außenseitermeinung, auf die Bedeutung des Ideenkonzepts zu pochen. Kapital sei ausschlaggebend – und Management. Ideen gäbe es wie Sand am Meer, auf die Umsetzung käme es an. »Ideas are a dime for a dozen“, „It‘s execution that matters“ – so Kernsätze in der amerikanischen Fachliteratur jener Zeit. Heute gibt es Ideenschmieden, Ideenwettbewerbe, Ideenworkshops. „Deutschland – Land der Ideen“, so der Name eines Programms der deutschen Bundesregieru g. Und es gibt ganze Bücher zu diesem Thema. Business Model Innovation ist in aller Munde. Das ist gut so, weil es die Bedeutung auf das lenkt, was die meisten Menschen zur Verfügung haben: einen kreativen Kopf.

Laden Sie sich hier das PDF vom elften Auszug des „Handbuch Entrepreneurship“ runter.

Hier gelangen Sie direkt zum „Handbuch Entrepreneurship“ – erschienen beim Springer Gabler Verlag.

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