Auszug aus dem "Handbuch Entrepreneurship" - Hrsg. Günter Faltin:

Der postindustriellen Gesellschaft geht die industrielle Arbeit aus. Schon heute macht der industrielle Sektor nur noch etwa zehn bis 15 Prozent der Arbeitsplätze aus. Selbst wenn man Dienstleistungen, die dem industriellen Sektor zuarbeiten oder mit ihm verbunden sind, in die Statistik mit einbezieht, werden nicht mehr als 30 Prozent daraus. Die spannende Frage heißt: Womit wollen wir uns beschäftigen, wenn die Arbeitsplätze alter Art wegfallen? Ich sage dies so nachdrücklich, weil viele Politiker und Kommentatoren das Thema Entrepreneurship unter dem Blickwinkel betrachten, dass damit viele neue Arbeitsplätze generiert würden, die dem Wegfall alter Arbeitsplätze entgegenwirken*. Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber, dass dies eine gewagte, möglicherweise sogar eine falsche These ist. Start-ups beziehen ja ihre Stärke gerade daraus, dass sie bessere Prozesse, bessere Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Es ist nicht unplausibel, anzunehmen, dass die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze geringer ist als die Zahl derjenigen, die in bestehenden Unternehmen aufgrund der Konkurrenz mit den neu gegründeten Unternehmen wegfallen. Die Hoffnung auf mehr Arbeitsplätze ist also trügerisch und bleibt im alten Denken haften. Die These, dass der technische Fortschritt zwar Arbeitsplätze wegrationalisiere, aber in der Summe mehr Arbeitsplätze schaffe, ist für die Vergangenheit unbestritten zutreffend. Ob dies auch in Zukunft so sein wird, ist völlig offen.

Wir plädieren also nicht für Entrepreneurship als Mittel zur Schaffung neuer zusätzlicher Arbeitsplätze. Wir argumentieren stattdessen, dass es die qualitativ besseren Arbeitsplätze sind, die entstehen. Tätigkeiten, in kleinen, überschaubaren, unbürokratischen Strukturen, die mehr mit der Person im Einklang stehen, die weniger repetitiv und mehr kreative schöpferische Arbeit ermöglichen. Und die das Erkennen der eigenen Fähigkeiten, mehr Selbstbestimmung und Selbstorganisation in den Mittelpunkt rücken.

Wenn wir die bisherigen Gedanken zusammenfassen und als Rat an Gründer formulieren, so würde er heißen:
Setzen Sie sich für ein Anliegen ein, das Ihnen wichtig ist. Bringen Sie Ihr eigenes Ideenkind zur Welt. Behalten Sie den Horizont im Auge, statt im Alltagsgeschäft unterzugehen.

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* In der Tat zeigt die Statistik – und dies nicht nur in Deutschland, dass seit Beginn der 1980er-Jahre neue Arbeitsplätze nur in kleinen und mittleren Unternehmen und in Start-ups entstehen.