Wie Sie Ihr eigenes High-Potential Konzept erarbeiten

Wenig Aufmerksamkeit wird bislang systematischen Ideenprozessen zuteil, wie sie Gründungen vorausgehen müssen. Der Entwurf, die Entwicklung und die Verfeinerung des Ideenkonzepts als zentrale Voraussetzung zum Erfolg stehen bisher nicht im Mittelpunkt. Dies ist verwunderlich, denn es geht für Entrepreneure und ihre Kapitalgeber um langfristige und risikoreiche Engagements - immerhin steht den Gewinnchancen die persönliche Insolvenz beziehungsweise der vollständige Kapitalverlust gegenüber. So kommt der Komponente der Risikoreduzierung durch einen systematischen und gelungenen Prozess des Entrepreneurial Design eine wichtige Funktion zu.

Die Betreiber dieser Website haben nicht die finanziellen Ressourcen und nicht die Kapazität, Gründer individuell zu beraten. Wir offerieren stattdessen Techniken und Verfahren, wie Sie selbst systematisch Ihre Idee weiter ausarbeiten können.

Die Idee öffnen

In der herkömmlichen Beratung bringt der Gründer die Idee mit. Sie ist sozusagen da. Unser Vorgehen ist ein anderes:

Wir setzen an der Anfangsidee an, hinterfagen sie und leuchten diese aus, um herauszufinden, was den Betreffenden in Wirklichkeit nachhaltig bewegt, das heißt, seinen Neigungen und ihm vielleicht gar nicht voll bewussten Wünschen entspricht. Die Aufgabe von Beratung ist es nicht, Antworten zu geben, sondern Fragen zu stellen. Möglichst viele. Möglichst solche, die neue, zusätzliche Sichtachsen öffnen. Die Antworten muss der Gründer selbst finden. Es muss sein eigenes Ideenkind sein; nicht das des Beraters oder eines aus den Zuckertöpfen der Förderprogramme und ihrer Richtlinien.

Die Anfangsidee ist ein Stichwort, ein erstes Indiz, wo die Ideen gesucht werden können, die am Ende ein Ideenkonzept ergeben sollen. Wie ein Bildhauer kann der Gründer das Ausgangsmaterial bearbeiten, ein Ideengebilde schaffen, das das Anliegen des Künstlers, aber auch die Sicht auf den Markt klarer und präziser wiedergibt. Es gilt, etwas zu erarbeiten, was genauer trifft, sich besser einfühlt in die Persönlichkeit des Gründers, sich für ihn auch besser anfühlt, als es die Ausgangsidee war.

Es geht also darum, herauszufnden, was den Gründer bewegt und was hinter seiner Ausgangsidee liegt. Am Ende steht ein erstes Gerüst, das insofern auf solidem Boden steht, als es auf den Neigungen, Talenten, Wunschvorstellungen, Leidenschaften - kurz gesagt, dem Energiefaden des Betreffenden aufbaut. Dennoch ist es erst ein relativ offenes Gerüst, und es bedarf noch vieler Puzzlestücke in Form von Informationen, Kontakten und Einschätzungen von Möglichkeiten, bis ein in sich stabiles Bauwerk entsteht, das den Stürmen von modischen Veränderungen, Imitatoren, etablierten Konkurrenten, bürokratischen Hürden und vielen anderen Widrigkeiten, die erwartet und unerwartet auftauchen können, Paroli bietet.

Es ist also keinesfalls ein Einfall oder eine Idee, die ein gutes Entrepreneurial Design ausmachen. Es steckt systematische Arbeit dahinter, je mehr, desto besser. Erst wenn das Entrepreneurial Design möglichst viele der genannten Aspekte erfüllt, sollte man gründen. Oft sind Introspektion oder die genauere Ausleuchtung der eigenen wie auch der Kundenwünsche erfolgversprechender, als hinterherzulaufen.Trends oder Marktanalysen

Sieben Techniken zur Ausarbeitung eines Entrepreneurial Design
Im Folgenden werden sieben Techniken erklärt, um systematisch neue Geschäftsideen zu finden und diese zu verfeinern.

I. Potenzial in Vorhandenem entdecken
Was wie ein Paradox klingt (Wie kann man etwas finden, was es schon längst gibt?), ist Quelle für etliche Geschäftsideen. Entdecken, in diesem Kontext, bedeutet, neues Potential in bereits Vorhandenem entdecken! Beispiele hierzu sind das Telefax und MyPhotoBook.

II. Funktion statt Konvention
Schumpeter definierte Entrepreneure als kreative Zerstörer, die neue Produkte und/oder Prozesse auf den Markt bringen. Um dies zu erreichen, sollte man nicht den Konventionen folgen, sondern ganz genau die Funktionen analysieren. Es gibt immer einen unkonventionelleren Weg! Die Welt wird immer komplexer; wir wären längst überfordert, wenn nicht hin und wieder jemand käme, der die Dinge einfacher machte. Beispiele hierfür sind: Teekampagne, Gottlieb Duttweiler`s Migros, Anita Roddick`s The Body Shop.

III. Vorhandenes neu kombinieren
Das Beispiel, welches diese Technik am anschaulichsten demonstriert, ist folgendes:
Think ceramic, sagt Thijs Nel, Künstler in Magaliesberg bei Johannesburg. Sein Gebiet ist die Töpferei. Die Slums seiner Umgebung vor Augen, kam ihm die Idee, wie man bessere Häuser bauen könnte. Traditionell fertigen die Bewohner des südafrikanischen Township ihre Häuser aus Lehm; die Wände werden mit Stöcken und Zweigen verstärkt. Wenn die Termiten aber das Holz fressen, entstehen in den Wänden herrliche Wasserkanäle und die Häuser halten im regnerischen Wetter nicht lange. Nels unternehmerische Idee kann man so beschreiben: Stellen Sie sich eine Tasse vor. Stellen Sie die Tasse auf den Kopf. Lassen Sie die Tasse in Gedanken größer und größer werden. Dann denken Sie sich Löcher in diese Tasse. Nennen Sie die Tasse jetzt Haus.

Diese hausgroße Tasse mit Öffnungen als Fenster muss nun gebrannt werden. Wie andere Töpferwaren auch, in einem Feuer, das eine hohe Temperatur erzeugt. Das Feuer kann als Dorffest organisiert werden. Das Ergebnis ist ein Haus, das weitaus haltbarer ist als die bisherigen Hütten, aber trotzdem kaum teurer. Der Künstler als Architekt und Entrepreneur, mit einer Idee, verblüffend einfach und praktisch vorgeführt. Jeder sein eigener Hausbauer, Töpfer, Künstler. Ziemlich wahrscheinlich sogar, dass die Siedlungen schöner anzusehen sind als die Bauleistungen mancher Facharchitekten. Jetzt sagen Sie sich, das ist doch nichts Neues, viele Völker, so auch die Hopi-Indianer bauten so. Richtig, auch Nel erfand nichts Neues, sondern suchte nach traditionellem, preiswertem Material für seine Tassenidee, das überall vorhanden war - und kombinierte Altbekanntes neu. Eine ebenso einfache wie wirksame Technik, auf die man auch durch systematisches Nachdenken kommen kann.

IV. Mehr als nur eine Funktion erfüllen
Heutzutage gibt es eine eigene Institution für alles, z.b. Einkaufszentren, Kirchen, Restaurants, Jugendclubs, Altenheime, etc. Alles hat seine eigene Funktion. So die folgende Technik ist sehr einfach: Wenn man die bestehende Infrastruktur für einen zweiten oder dritten Zweck nutzen kann, spart man unmittelbar eine Menge Kosten. Orientiert man sich z. B. an der Natur, entdeckt man, dass nichts nur eine Funktion hat.

V. Probleme als Chance verstehen
Probleme sind eine offensichtliche Inspirationsquelle für Entrepreneure. Wo andere nur ein weiteres Problem beklagen, nehmen Entrepreneure die Herausforderung an und suchen nach einer Lösung. Oftmals liegen diese Lösungen in ganz anderen Bereichen, außerhalb des Mainstreams Denken. Ein Beispiel ist das Unternehmen Waterhyacinth.

VI. Arbeit in Spass und Unterhaltung verwandeln
Erinnern Sie sich an Mark Twain`s Tom Sawyer, der den Zaun seiner Tante am Samstag nachmittag streichen musste? Tom teilte die Arbeit in kleine Abschnitte ein und überzeugte seine Freunde von der Freude an dieser Arbeit so sehr, dass diese nicht nur für ihn das Streichen übernahmen, sondern Tom sogar dafür bezahlten. Was eine Tätigkeit als Arbeit und langweilig definiert, hängt sehr von den Umständen ab. Eine Kuh zu melken ist bestimmt Arbeit für den Bauern, kann aber Spass und Abenteuer für Touristen sein. Bestimmte Arten von Arbeit, in bestimmten Situationen, können nach Tom Sawyer`s Ansatz umorganisiert werden.

VII. Visionen Wirklichkeit werden lassen
Leider erleben nicht alle Visionäre, dass ihre Ideen noch zu ihren Lebzeiten zu erfolgreichen Unternehmen werden. Aber einige schaffen es. Die vermutlich berühmteste Anekdote ist die eines jungen Mannes, der 18 Jahre lang eine Pferdekutsche mittels Benzinexplosionen zum kontrollierten Laufen bewegen wollte. Der Mann reiht Fehlschlag an Fehlschlag. Sein Vater fndet seine Absicht, Menschen auf so etwas wie gefährliche Benzinmotoren setzen zu wollen, unverantwortlich; seine Freunde und Bekannten halten ihn für unfähig, ja verrückt. Den endgültigen Beweis dafür erhalten sie, als unser Innovator das Gefährt aus der Scheune fahren will. Es stellt sich heraus, dass die Kutsche größer ist als das Tor und die Scheunenwand daher eingerissen werden muss. 1903 nimmt er an einem Autorennen teil, und erreicht das Ziel, was damals keineswegs selbstverständlich war. Erst von da an wird man auf ihn aufmerksam. Der Name unseres Helden: Henry Ford. Die fruchtlosen Anfänge fehlen in den späteren Büchern und auch in seiner Autobiografe. Visionen Wirklichkeit werden lassen ist eine Technik eher für Fortgeschrittene oder ganz besonders zielorientierte Menschen, im Kleinen gilt sie aber für viele Gründer.

Resümee
Das waren sieben Techniken und es wird deutlich: Nicht jede Technik eignet sich für jedes Entrepreneurial Design, aber es lohnt sich, von verschiedensten Seiten auch an Ihr Modell heranzugehen. Sagen Sie nicht zu schnell, Sie seien schon fast fertig, denn jedes Modell wird besser, wenn Sie mehr Sichtachsen nutzen.

Auf mehr als nur einem Bein stehen
Bei der Entwicklung des Entrepreneurial Design muss es unser Ziel sein, die Erfolgswahrscheinlichkeit auch dadurch zu erhöhen, dass das Ideenkonzept auf mehr als nur einem Bein steht.

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Diese Figur, die in unseren Veranstaltungen verwendet werden, soll symbolisieren, dass gutes Entrepreneurial Design viel mit Kunst und Konstruktion zu tun hat. Es muss so austariert sein, dass es Stöße von außen fexibel auffangen kann und in eine stabile Lage zurückkehrt.
Im Markt kann es passieren, dass Wettbewerber Vorteile ins Feld führen und der ursprüngliche Marktvorteil des Gründers schwindet. Denn gerade wenn ein Konzept gut funktioniert oder eine neue Technologie in der Luft liegt, passiert es nicht selten, dass ein Wettbewerber einen besseren Preis, eine höhere Qualität oder einen anderen Marktvorteil anbieten kann. Ein gutes Entrepreneurial Design sollte daher möglichst auf mehr als einem einzigen Bein stehen können.

Auch die Skulptur kann auf jedem der vier Stuhlbeine zu einer stabilen, ausbalancierten Position fnden. Im Beispiel der Teekampagne ist das Hauptstandbein der deutlich niedrigere Preis gegenüber vergleichbaren Angeboten der Konkurrenz. Unterböte jemand unsere Preise, hätten wir noch weitere Beine: die Vielzahl und Transparenz der chemischen Rückstandsanalysen, die Garantie für 100 Prozent reinen Darjeeling oder die effiziente Logistik des Unternehmens als Folge eines einfachen Konzepts.

Im Weiteren finden Sie nun wichtige Literatur.